Knutsch-Alarm unterm Mistelzweig

Küssen unter dem Mistelzweig steht für Versöhnung und Glück.  So verkündete es, der Legende nach, die germanische Liebesgöttin Frigga. Galt für sie die Mistel doch als „heiliger Zweig“. So verspricht die alte Tradition, niemand könne einen Kuss unter dem Zweig verwehren. Auch stünde den Küssenden im folgenden Jahr eine Heirat sowie ewige Liebe bevor. Das klingt vielversprechend, also wagen wir ein Küsschen.

Mistelzweig – hoch dekoriert

In der Weihnachtszeit werden einzelne Zweige oder auch ganze Kronen verwendet. Alleine, nur von rotem Band gehalten, oder mit Lichterketten zum Leuchten gebracht – hängen sie über Türrahmen, an Haustüren oder dienen als hübsches Geschenk. Prunkvoll kann es mit Gold oder Silber werden – einfach aufsprayen.

Schmarotzer, oder was?

Misteln als Parasit am Baum

Uuuuh, welch unschönes Wort: „Schmarotzer“. Zum Glück zählt die Mistel nur zu den „Halbschmarotzern“. Zwar entzieht sie dem Baum Wasser und Nährstoffe, betreibt jedoch selbstständig Fotosynthese. Die Mistel ist auf Bäume angewiesen, alleine kann sie nicht existieren. So geben vor allem Pappeln, Linden, Weiden, Birken und Apfelbäume der Mistel ein Zuhause. In deren Baumwipfeln finden sich diese Gewächse dann wieder. Doch es vergeht viel Zeit bis Misteln in den Bäumen als Mistelkrone zu finden sind.

Gut Ding braucht Weile 

Das Mistelwachstum ist sehr langsam. Gute Zehn Jahre braucht es von der Keimung bis zur Mistelkrone. Es heißt, pro Jahr wachse ein Sprossglied. Bei ihrer ersten Blüte sind Misteln meist schon 6 bis 7 Jahre alt. So sollen Zweige von 50 cm Länge etwa 30 Jahre alt sein. Kugelige Büsche können bis zu einem Meter Durchmesser heranwachsen und sind dann bis zu 70 Jahre alt. In all dieser Zeit bildet sich keine Korkschicht aus. Die Pflanze bleibt grün und betreibt jahrelang Fotosynthese.

Viscum album in der Pharmazie

Früher priesen Druiden die Mistel als „alles Heilende“ an. Auch heute noch findet sie einen pharmazeutischen Einsatz.

mistelzweig im Mörser

Krebstherapie:
Gerne wird Viscum album in der herkömmlichen Krebstherapie eingesetzt. Dort soll sie adjuvant  zu Verringerung von Fatigue und verbesserter Lebensqualität verhelfen.

Bluthochdruck:
In der Volksmedizin wird Mistelkraut bei Bluthochdruck eingesetzt.

Kopfsache:
Pflanzenzheilkundler empfehlen die Mistel als Kaltauszug oder Frischpflanzentinktur in der Behandlung von Blutandrang im Kopf, Schwindel, Kopfschmerzen im Alter, Konzentrationsstörungen, Ohrensausen

Cave:
Alle Mistel-Pflanzenteile sind giftig! Nur die die weißen Beeren seien ungiftig. Zwar schmecke ihr schleimiges Fruchtfleisch süßlich, dennoch wird ein Verzehr nicht empfohlen. Ein Tee sollte immer kalt angesetzt werden! Denn die giftigen Inhaltsstoffe, Viscotoxine, lösen sich in kaltem Wasser schlecht.

Kalt ausziehen – Warm reinziehen

Ein Mazerat und kein Tee. Klar, ist das klar! Aber versteht das dein Apothekenkunde?!
Empfehle es gerne so:

  • ein bis zwei Teelöffel Mistelkraut in 250 ml kaltes Wasser geben
  • gute 12 h, am besten über Nacht, stehen lassen
  • gut abseihen!! Keine Pflanzenreste erwärmen
  • vor dem Genuss erwärmen – nicht kochen!
  • Tagesdosis liegt bei max. zwei Tassen am Tag
  • in Schwangerschaft und Stillzeit bleibt der Misteltee kontraindiziert